Die acht Höllen in Beppu

In Beppu soll es über 3000 heisse Quellen und rund 300 öffentliche Bäder geben, daneben diverse private. Auch unser Hotel hat mehrere Onsen: eines für Männer und Frauen getrennt drinnen und ein Familien-Onsen draussen. In dieser Stadt mit rund 130000 Einwohnern und jährlich 12 Mio. Touristen dampft es aus allen Löchern. Wir wollen uns heute die acht Jigokus anschauen. Das sind ebenfalls heisse Quellen, die aber zu heiss sind, um nur schon den Zeh reinzuhalten. Zwei dieser Jigokus befinden sich etwas unterhalb unserer Unterkunft. Ein Bus führt hin. Wir wollen zu Fuss die gut zwei Kilometer zurücklegen. Das machen wir im Gänsemarsch. Ein Trottoir gibt es auf der Strecke nicht. Uns bleibt der etwa 50 cm breite Strassengraben. Den letzten Abschnitt können wir in einem Wohnquartier zurücklegen. Das ist nett. Mit Blick aufs Meer geht es an blühenden Kamelien-, Magnolien- und Kirschbäumen vorbei. Für 2000 Yen kaufen wir uns ein Eintrittsbüchlein für alle acht Jigkous. Das erste, Tatsuakai Jigoku, ist ein Geysir, der alle 45 Minuten zu bestaunen ist. Wir haben Glück und müssen nur etwas warten und schon schnellt das heisse Wasser in die Höhe und das erstaunlich lange. Der Geysir soll etwa 30 m hoch spritzen, wird aber durch eine Steinplatte gebremst. Wir gehen weiter zum nächsten Highlight: ein rotbrauner, brodelnder See, das Chinoike Jigoku. Zurück besteigen wir ebenfalls den Bus. Als nächstes gibt es ein türkis-blaues Becken zu bestaunen, darüber tritt heisser Dampf aus. Im Shiraike Jigoku hat es ebenfalls noch mehrere winzige Aquarien mit Piranhas und anderen Fischen. Auch das Oniyama Jigoku zeigt, dass artengerechte Tierhaltung hier noch nicht angekommen ist. In trostlosen Käfigen werden Krokodile gehalten. In einem Becken sind rund 30 Tiere zusammengepfercht. Mehrere Tiere haben Geschwüre am Mund, kein schöner Anblick. Ich will mir das nicht lange ansehen und gehe weiter zum Kamado Jigoku. Dieses Jigoku wollten wir ursprünglich überspringen, aber hier gibt es eigentlich alles im Kleinformat zu bewundern: aus einem Becken steigt heisser Dampf auf, der einst zum Kochen verwendet wurde. Ebenfalls blubbert mancherorts Schlamm vor sich hin. Es gibt ein kleines türkisblaues Becken und ein rotbraunes Becken. Wieso diese Erdsäfte an einem Ort sich hellblau ablagern und wenige Meter daneben rotbraun, erschliesst sich uns sich und wird leider auch nirgends erklärt. Und wenn dann nicht in Englischer Sprache. Es hat aber in jedem Jigkou kleinere und grössere Shops, wo man alles, was das Touristenherz begehrt (ausser Infobroschüren auf Englisch) kaufen kann. Im Unterschied zu daheim, wo diese Shops primär von ausländischen Touristen in Beschlag genommen werden, kaufen hier die Einheimischen kräftig ein. Das Umi Jigouku ist von einem schönen, kleineren Park umgeben. Im Oniishibozu Jigoku mit dem blubbernden Schlamm, genehmigen wir uns noch ein Fussbad. Ich brauche etwas, bis ich mich an die Hitze gewöhnt habe und meine Füsse ganz hineinstellen kann.

Philipp erklimmt den Mount Ogi, der vor wenigen Tagen feierlich gebrannt hat. Ich gehe zurück in unser schönes Zimmer und setze mich ans Notebook. Abends wollen wir das Onsen ausprobieren. Wir schnappen uns das «Besetzt-Schild» an der Rezeption, schlüpfen in die nicht sonderlich bequemen Holz-Flipflops und schlurfen zum Aussenbad. Erst seifen wir uns ein und schrubben uns kräftig ab. Erst wenn man sauber ist, darf man sich ins Bad setzen. Das macht Sinn, sich nicht in den eigenen Dreck zu sehen, wie wir das daheim in der Badewanne machen. Ich strecke erst meinen grossen Zeh rein, den ich rasch wieder ausziehe. Viel zu heiss! Ich versuche es mit der Ferse. Das geht nach einer Weile, dann schaffe ich es, einen Fuss auf die erste Stufe zu setzen, wenig später den zweiten. So verweile ich etwas und versuche, mich an die Hitze zu gewöhnen. Das klappt bestens. Man gewöhnt sich wirklich an alles. Kurz darauf schaut nur noch mein Kopf raus.

Nach dem Bade-Abenteuer sind wir hungrig. Die Bildchen und Plastikgerichte bei den Restaurants in der unmittelbaren Umgebung offenbaren keine vegetarischen Optionen. Wir machen uns auf zum Café Domino. Ein geöffnet-Schild hängt an der Tür. Wir treten ein, niemand da. Kein Gast und auch die Küche ist leer, allerdings rumort es im Hintergrund. Eine Frau kommt um die Ecke und fragt wohl, ob wir japanisch sprechen. Wir schütteln betrübt den Kopf. Daraufhin fragt sie auf Englisch: Are you vegetarian? Unsere Augen leuchten auf und wir bejahen. Sie jedoch schüttelt den Kopf und macht eine abwehrende Bewegung mit den Händen. Also scheint es hier nichts für uns zu geben. Wir enden im Seven-Eleven, wo wir uns mit Salat und Spaghetti mit Tomatensauce, die sich als Tomatensauce ohne Spaghetti raustellen, eindecken. So gibt es halt Salat mit Tomatensuppe.