Sorgfältig verpackt

Heute steht der Anlass unserer weiten Reise auf dem Programm: das Hochzeitsfest! Da Philipp am Abend zuvor überraschend ins Bett ging, habe ich frühmorgens mit Stirnlampe die restlichen Geschenke verpackt. Ein nicht völlig geräuschfreier Vorgang. Er machte aber zumindest den Eindruck seelenruhig weiterzuschlafen.

Minas Coiffeur befindet sich in kurzer Gehdistanz. Also mache ich mich morgens um acht zu Fuss auf den Weg dorthin und stärke mich unterwegs mit einem Melonenbrötchen. Das sind rundliche, luftige Brötchen, deren Oberseite leicht süsslich nach Melonen schmecken. Minas Haare werden hochgesteckt und mit Blumen geschmückt. Währenddessen bekomme ich Fotos der dreijährigen Mina im Kimono zu sehen. Die Coiffeuse kannte schon Minas Mutter als Teenie und ist während des heutigen Tages die ständige Begleiterin. Sie frisiert nicht nur Mina, sondern hilft ihr und Steve auch beim Anziehen des festlichen Hochzeits-Kimonos. Ein Vorgang, den man nicht alleine bewerkstelligen kann. Der Kimono von Steven befindet sich in einer rund 30 x 40 cm x 10 cm grossen Schachtel, der von Mina in einem Koffer. Zuerst wird Steven eingewickelt und eingeschnürt, danach Mina. Es dauert über eine Stunde, bis alle Schichten, Schnüre und Bänder sitzen. Philipp kommt direkt zum Restaurant, wo das Festessen stattfindet. Er hat sich auch einen Kimono ausgeliehen, der ihm sehr gut steht. Er meint zwar, er sei so eingeschnürt, dass er nicht viel werde essen können. Allerdings trägt er nur zwei Schichten mit zwei Bändern um den Bauch, bei Steven und Mina ist es das Vielfache.

Wir erhalten eine Gästeliste und suchen unsere Namen darauf vergeblich. Wir brauchen Hilfe beim Entziffern der Zeichen. Nach den Dankesreden gibt es den ersten Gang von Dreizehn. Es reiht sich kulinarische Besonderheit an kulinarische Besonderheit. Jeder Gang ist eine Augenweide und schmeckt komplett unterschiedlich. Die Konsistenz ist vielfältig: von knackig zu fest und weich über elastisch bis hin zu glibberig und schleimig ist alles vertreten. Manches ist mit den Stäbchen eine Herausforderung für uns. Mit den schleimigen Algen, die man schlürfen dürfte, können wir uns nicht so richtig anfreunden. Regelmässig kommen die Gäste nach vorne, überreichen den beiden Geschenke und bestaunen Sakura. Um drei wartet das Taxi draussen auf uns. Mit einer grossen Tüte mit Geschenken verlassen wir das alte, schöne Holzhaus und fahren an den Bahnhof zurück, wo Philipp wieder in seine Klamotten schlüpfen kann.

Wir machen einen letzten Abstecher in den vollen Ohori Park. Überall sitzen Menschen in kleineren Gruppen beisammen, darüber kreisen die Raubvögel, die ebenfalls einen Happen erwischen wollen.