Tempelstadt Nara

Mit dem Regionalzug gelangen wir in einer guten Stunde von Kyoto nach Nara, der Hauptstadt Japans im 8. Jh. Es hätte auch eine schnellere Verbindung gegeben, respektive hätten wir unterwegs in einen Schnellzug umsteigen müssen. Das realisieren wir aber erst, als der Zug auf dem anderen Perron gerade die Türen schliesst. Jänu, so bleibt mehr Zeit, um aus dem Fenster auf die unmittelbar neben dem Gleis stehenden Häuser zu schauen. Der Abschnitt zwischen Kyoto und Nara ist dicht besiedelt, es reiht sich zweistöckiges Einfamilienhaus an zweistöckiges Einfamilienhaus. Ab und an unterbrochen von höheren Bauten oder einigen Feldern. Neben wenigen Touristen sind auch Schulkinder in ihrer Schuluniform im Zug. Diese besteht aus Hosen mit Bügelfalte, Hemd mit Krawatte, Pullunder und Jackett. Einzig die Schuhe dürfen die Kinder offensichtlich selbst wählen. In Mode scheinen gerade Turnschuhe der Marke Nike zu sein. Die Buben unterhalten sich leise oder spielen mit ihrem Handy.

Auf dem Weg zum ersten Tempel laufen wir an einem Eulenkaffee vorbei. Zumindest lassen die Schilder vermuten, dass sich im ersten Stockwerk ein Kaffee befindet, wo man nicht nur Kaffee trinken, sondern eben auch Eulen bestaunen kann. Dafür sind wir aber nicht hier, wir gehen weiter. Am Abend auf dem Heimweg siegt die Neugier und ich gehe die Treppen rauf, um reinschauen zu können. Das Kaffee ist abends um sechs schon geschlossen. Jemand saust mit einem Staubsauger rum und daneben sitzt seelenruhig (so wirkte es wenigstens) ein riesiger Uhu! Der ist mindestens 50 cm gross. Ich bin schwer beeindruckt. Links und rechts von ihm sitzen zwei kleinere Uhus, in einer Ecke zwei Schleiereulen, sowie diverse kleinere Eulenarten. Ich bin fasziniert, kann mir aber nicht vorstellen, dass die Tiere es sonderlich toll finden, auf einer Stange zu sitzen, an einem Bein angekettet zu sein und von Touristen beäugt oder von einem Staubsauger umrundet zu werden.

Zurück zu den Tempeln: Die eindrücklichste Tempelanlage ist sicher der buddhistische Tempel Tōdai-ji, der die grösste Buddha Bronzestatute beherbergt. Wir haben auch den Shinto-Schrein Kasuga-Taisha besucht mit einer über 1000-jährigen Zeder und 1000 hängenden Laternen sowie über Tausend steinernen Laternen, die den Weg zum Tempel leuchten. Muss beeindruckend sein, wenn die alle den Wald erhellen. Von aussen haben wir die Kofuku-ji Tempelanlage mit fünfstöckiger Pagode von über 50 m Höhe bestaunt.

Damit wir nicht wie am Vortag in einem italienischen Restaurant landen, habe ich nach vegetarischen Optionen in Nara gegoogelt und ein Japanisches Curry Restaurant gefunden. Hat sich gelohnt, war sehr lecker!