Exekutif

Endlich, endlich – schon morgens im Bett liegend stelle ich freudig fest, es wird besser mit dem Rücken! Die letzten Tage hatte ich ausschliesslich den Eindruck, es werde mit jedem Tag nur schlimmer. Heute steht die letzte Zugfahrt auf dem Programm. Wir haben uns für die teuerste Ticketklasse entschieden (die Preisunterschiede bewegen sich im Bereich von wenigen Franken): Exekutif. Die Rückenlehnen sind verstellbar, die Beinfreiheit noch etwas grösser, es hat einen TV zu Beginn und am Ende jeden Wagens montiert und der grösste Unterschied: es ist eisig kalt! Der Mann im anderen Abteil neben uns ist bald mit Jacke und Schal ausgestattet. Auch wir ziehen alles an, was wir griffbereit haben. Daran gewöhnen wir uns wohl nie! Wird man in ein Hotelzimmer geleitet, wird sofort die Klimaanlage eingeschaltet und auf 16° eingestellt. Ich empfinde die klimatischen Bedingungen hier zwar nicht mehr als ganz so nervig wie zu Beginn, aber Kühlschranktemperaturen müssen in den Innenräumen dennoch nicht herrschen. Das macht die Sache definitiv nicht besser.

Vorbei geht es an Reisterrassen über zahlreiche Brücken (man hofft inständig, dass hierbei «maintenance» grossgeschrieben wird) in Richtung Hauptstadt. Landschaftlich reizvoller wäre die Strecke über den Puncak-Pass gewesen. Dann hätten wir auch noch Teeplantagen zu Gesicht bekommen. Aber für eine weitere Busfahrt wollten wir uns nicht begeistern lassen. Je näher wir Jakarta kommen, desto mehr verdunkelt sich der Himmel, bald setzt Regen ein. Auch beim Aussteigen giesst es noch in Strömen. Und das bedeutet in dieser Grossstadt: die Töffli-Taxis sind nicht mehr sonderlich begehrt, denn alle wollen Autofahren und das wollen eh schon alle in dieser Stadt. Das bedeutet: Rien ne va plus! Wir erwischen zwar ein ankommendes Taxi, das gerade frei wird (Sophie wartete in der Botschaft über eine Stunde auf ein Taxi) und sitzen so immerhin im Trockenen. Zudem sind wir auch vor kurz hell aufflackernden Blitzen gut geschützt. Für die 6.9 km meint google maps man hätte zu Fuss 1h 18 min, die Autofahrt wird aktuell mit 58 Minuten berechnet! Wir brauchen schliesslich 1h 15 min.

 

Die altbekannte Unterkunft bietet das Kontrastprogramm zum fensterlosen Hotelzimmer der letzten beiden Nächte. Aus dem 25. Stock blicken wir auf die Blechdächer weit unter uns, trockenen Fusses gehen wir zur Pizzeria in der Mall und gelangen danach mit dem Lift wieder in Sophies temporäres, gut schallisoliertes (kein Verkehrslärm, kaum Muezzin) Zuhause. Luxus!