Borobudur

Peter hat uns so sehr von der morgendlichen Dämmerungszeit in Borobudur – wenn die Statuen aus dem Dunkeln ins Licht treten – vorgeschwärmt, dass wir dies auch erleben wollen. Also springen wir bereits um vier aus den Federn. Doch das Frühaufstehen sollte nicht belohnt werden, kurz darauf beginnt es zu regnen. Also kriechen wir wieder unter die Decke und schlafen noch etwas weiter. Das Absteigen im überteuerten Menohara hat sich insofern schon gelohnt. Die an der Rezeption warteten Touris erklimmen bei strömenden Regen den Tempel, während wir zurück ins Zimmer gehen und weiterschlafen können. Allerdings ist es eine Geldmacherei, auch von den Hotelgästen zusätzlich Geld für das «Sunrise» Ticket zu verlangen (der Ticketpreis während der normalen Öffnungszeiten ist inbegriffen). Aber das Personal ist überaus freundlich und hilfsbereit und auch das reichhaltige Frühstücksbuffet ist dem Preis angemessen. Als wir um sechs zum Tempel hochsteigen, befinden sich die Sonnenaufgang-Touristen nass und frierend schon auf dem Heimweg und die grossen Busse sind noch nicht da. Es bleibt uns eine knappe Stunde, um mit wenigen Leuten die einzelnen Stufen zu umrunden. Der Tempel ruht umgeben von saftigem grün und nebelverhangenen Hängen in der Landschaft. Bald darauf kommen die Besucher im Strömen, viele Gruppen und grosse Schulklassen. Da ist es fertig mit der Ruhe. Wir erkunden die Reliefs auf den untersten Stufen der Anlage. Diese erzählen Geschichten von Buddhas, betenden, feiernden und kämpfenden Menschen, aber auch von Elefanten, Affen, Tigern, Löwen und Wasserbüffeln. Unten angekommen, werden wir von Schulkindern angesprochen. Kardian musste aber das Eis brechen, sonst hätten sie sich wohl nicht getraut. Alle haben eine Liste, Schreibunterlagen und einen Stift in der Hand. Ein Kind macht die Einleitung und stellt sich vor, fragt wie wir heissen und woher wir kommen. Jedes einzelne stellt eine Frage, anschliessend füllen wir die Tabelle aus und geben eine Bewertung. In Anbetracht der grossen Menge an Schulkindern flüchten wir wieder in die Hotelanlage und beginnen mit der ersten Runde beim Frühstücksbuffet.

Nach dem Auschecken um zwölf Uhr fahren wir mit einem Uber-Taxi noch etwas in die Höhe, um die Tempelanlage aus der Ferne betrachten zu können. Das Restaurant des Luxushotels Plataram bietet dafür die entsprechende Kulisse. Der Blick von hier ist toll, die Anlage ebenfalls, die Preise sind aber dementsprechend.

Zurück in Yogya erkunden wir noch Teile des verwinkelten Kratons, wo der hiesige Sultan heute noch wohnt. Danach gibt es die lokale Spezialität Gudeg bestehend aus Reis (natürlich, das gehört zu jeder anständigen Mahlzeit) mit in einer braunen Sauce gekochter Jackfruit und einem ebenso braunen Ei. Ganz so lecker sieht es für unsere Augen nicht aus, es mundet aber. Philipp wählt etwas zu trinken aus, das so härzige Vöglein drauf hat. Es schmeck undefinierbar wässerlich, eigentlich gar nicht so schlecht – bis wir realisieren, was es ist. Vor einigen Monaten sahen wir eine Doku, wie Leute unter abenteuerlichen Umständen Schwalbennester in Höhlen abkratzen und aus dem Speichel der Viecher irgendein Gebräu gemacht wird. Die Flasche wird daraufhin nicht leergetrunken.

 

Im sympathischen Kaffee Wanderlust in der Nähe unseres Hotels verabschieden wir erst Sophie und weniger später Kardian, bevor auch wir uns auf den Heimweg machen.