Laute Begrüssung

Noch im Halbdunkeln von einem Hupen geweckt! Da meint doch tatsächlich der wahrscheinlich einzige vorbeifahrende Autofahrer uns morgens um halb fünf mit Hupen begrüssen zu müssen. Meine Begeisterung ob dieser Freundlichkeit hält sich in Grenzen. Eine knappe Stunde später stehen wir auf, packen unsere sieben Sachen und Taschen zusammen und fahren los, weiter bergauf der Passhöhe entgegen. Die Strasse führt wieder bergab zum Fluss runter. Uns begegnen vier Jeeps mit pensionierten Franzosen.

 

Auf der anderen Flussseite, nun fahren wir entlang des Flusses Pamir, immer noch der afghanischen Grenze entlang, sehen wir baktrische Kamele weiden. Bald erblicken wir auch auf unserer Seite eine Herde. Uns kommen viele Töfffahrer entgegen. Philipp hilft noch einem, seine Maschine wieder aufzustellen. Er ist gestürzt und das Ding offensichtlich echt schwer. Diese Probleme haben wir wenigstens nicht. Die Strasse wird anspruchsvoller, aber immerhin ist die Steigung im Gegensatz zum Vortag geringer. Dann biegt die Strasse nach Norden ab. Nach zwei Wochen entlang des tadschikisch-afghanischen Grenzflusses, verabschieden wir uns von Afghanistan.

 

Wir begegnen einem Bike-Packer aus Südkorea, der mit einem Fatbike und ganz wenig Gepäck am Rahmen und einem Rucksack unterwegs ist. Er fährt die Strecke Osh-Dushanbe allein. Wenig später hält ein Jeep neben uns, der eine Romand und ein Franzose sitzen drin. Das eine Liegerad (Alu) muss geschweisst werden. Sie hoffen, dies in Murghab erledigen zu können.

 

Bald werden wir den Checkpoint am Kargush-Pass erreichen, über diesen gibt es einige wenig vorteilhafte Berichte von Soldaten, die Geld/Gegenstände verlangen, um passieren zu dürfen. Zuvor gibt es aber nochmals einige Höhenmeter zu bewältigen, auf einem Abschnitt sogar auf Kopfsteinpflaster!! Für mich unfahrbar, zu steil und zu holprig. Philipp hat oben eine Guetzlipause angekündigt, mein Lichtblick, aber oben, kein Philipp nur eine Sand-Kies-Piste mit Wellblech. Also kämpfe ich mich weiter, zehn Meter stossend, wenige Meter fahrend, bis das Hinterrad ausbricht und ich nicht mehr die Kraft habe, um in Schwung zu kommen, also wieder einige Meter stossend. Und das auf einer Länge von rund 4 km. Immerhin musste ich die Strecke nicht ganz alleine bewältigen. Ich wurde von kleinen Mücken begleitet, die ständig um meine Kopf schwirrten. Zwischendurch habe ich wieder versucht, neben der Strasse zu fahren, dort war der Untergrund in einzelnen Abschnitten besser, insgesamt aber auch nervig. Auf halber Strecke wartet Philipp. Er wollte den mühsamen Abschnitt erst noch bewältigen, aber irgendwann hat man in der Ferne den Checkpoint erblickt und konnte sich ausrechnen, dass dieser Abschnitt so bald noch nicht zu Ende sein wird. Immerhin habe ich heute keinerlei Probleme mit Atmen und das obwohl wir bald auf 4000 m ü. M. sein werden. So hoch war ich noch nie!

 

Beim Checkpoint wartet bereits ein Jeep mit zwei Italienern an Board. Es ist schon Nachmittag, die wollen heute aber noch bis Iskhosim fahren. Es läuft alles absolut problemfrei und freundlich. Der Soldat erkundigt sich nur nach Zigaretten, damit hätten wir ihm eine Freude bereiten können, haben wir aber nicht im Gepäck. Ich frage ob er Kinder hat, er verneint. Wir fahren weiter und kommen an einigen Lehmhütten vorbei. Es springen Kinder herbei, ich verschenke Farbstifte, hier sind sie am richtigen Ort!

 

Weiter oben finden wir einen guten Platz für unser Zelt. Wir biwakieren auf 4000 m ü. M. Die Zündhözli wollen sich kaum anzünden lassen, Feuchtigkeit kann nicht das Problem sein, die Höhe??