Mit Ovi chasch es nöd besser aber länger!

Der Tag beginnt gut, der Ausblick auf den Vaksh ist herrlich! Aufstieg, dann Abfahrt. Kurz darauf fahren wir an einem Restaurant vorbei, wo wir wieder auf die beiden Russen treffen. Inzwischen hat ihr LKW zudem einen Plattfuss, da nutzt ein Eimer Wasser auch nicht mehr viel. Auch sie erkennen uns wieder und winken. Die Strasse folgt dem Fluss. Leider schlängelt sich die Strasse nicht parallel zum Flussniveau leicht aufwärts, sondern es gibt ein stetes Auf und Ab. Der Vaksh wird durch den Zusammenfluss von Surkhob und Obi Khingob gebildet. Bevor wir den Surkhob überqueren, machen wir in einem Restaurant eine Pause. Mit meinen bescheidenen Russischkenntnissen frage ich, was sie haben und bitte um Tee und Suppe ohne Fleisch. Es werden neben Tee schliesslich Brot, Tomaten, viele scharfe Peperoni und Suppe mit einem Stück Hammel aufgetischt. Das knorpelige und fettige Fleischstück wäre zwar sicher nahrhaft, wir platzieren es aber in einer leeren Schale und löffeln die feine Suppe. Danach schwingen wir uns wieder auf den Sattel und überqueren auf einer massiven Brücke den Surkhob. Bald darauf stossen wir auf eine Quelle, wo ich kurz pausiere. Weiter oben begegne ich einigen Jugendlichen, die mich fröhlich mit «How are you?» begrüssen, «good» rufe ich entgegen und strample weiter bergauf. Nach einer Kurve auf der Ebene wartet Philipp. Bei ihm steht ein älterer Herr, der zu Fuss unterwegs ist. Er hat Philipp sein Brot geschenkt. Ich versuche zu erklären, dass wir Brot haben. Vergeblich. Er will es uns schenken. Unsere Postkarten aus der Schweiz sind alles andere als griffbereit. Nächstes Mal müssen wir besser vorbereitet sein. Wir fahren weiter mit neuem Proviant, der Herr marschiert in der Gegenrichtung weiter – wohl ohne Proviant.

Wir erreichen Labijar, wo es nochmals eine Passkontrolle gibt, danach geht es ab in die Berge (das bedeutet natürlich rauf in die Berge). Bei den Checkpoints werden sorgfältig von Hand Name, Pass- und Visanummer in ein grosses Buch eingetragen. Die Strasse wird schmaler, die Brücken abenteuerlicher – man ist in solchen Momenten froh, nicht mehrere Tonnen zu wiegen. Auf der einen Seite des Weges ragt die Felswand steil nach oben, auf der anderen Seite der Strasse fällt der Hang steil zum reissenden Bergbach ab. Auf der anderen Flussseite geht es ebenfalls steil nach oben. Die zuvor offene, teils recht grüne Landschaft wirkt nun schon fast bedrohlich in dieser schmalen Schlucht. Der Weg ist beschwerlich und es wird bald klar, dass wir es nicht bis zum geplanten Punkt schaffen werden. Ich bin müde und finde es einfach nur noch mühsam und anstrengend. Als ich richtig vermutend das Dach des anvisierten Ziels – das Blue Lake Restaurant – in der Ferne erblicke, die Strasse eigentlich gar nicht so übel ist und es sogar geradeaus geht, finde ich aber, dass ich keinen Meter mehr weiter mag und setze mich wie ein fünfjähriges Mädchen heulend an den Strassenrand. Nach einigen Minuten am Schatten unter einem Strauch (die Bäume sind leider nicht mehr so zahlreich), wird mir klar, dass das nicht normal ist. Ich überlege mir, was ich heute und die Tage zuvor gegessen habe - nicht sonderlich viel. Also breche ich bereits am Tag drei meine eisernen Reserven an und esse ein Ovo-Sport. Danach ist die Welt wieder in Ordnung! Getreu dem Werbespruch schwinge ich mich wieder auf den Sattel und lege die kurze Distanz zum Restaurant zurück. Im Restaurant angekommen, sehen wir eine Wassermelone im Garten liegen, die lassen wir uns auch sogleich servieren – welch Leckerbissen. Danach gibt es noch eine Suppe mit Gemüse und Fleisch (mein Russisches «bies mjasa» wurde offensichtlich wieder nicht verstanden). Den undefinierbaren Fleischmocken lagerten wir wieder umgehend in ein freies Schälchen um. Dieses Mal dominiert leider der Hammelgeschmack die Suppe. Das Restaurant hat auch Zimmer, also müssen wir nicht das Zelt aufstellen. Die Übernachtung und das Abendessen kosten gerade mal knapp zehn Franken für uns beide.

Distanz: 41 km von Aini nach Blue Lake

rauf: 540 Höhenmeter

runter: 510 Höhenmeter

Temperatur: immer noch warm

Strasse: grösstenteils nicht geteert

Highlights: Ovosport! Begegnung mit dem älteren Herr, der uns seinen Proviant aufgedrängt hat. Kontrast der Landschaft