Wassermelone - ein Genuss!

Der Wecker klingelt auch heute wieder früh. Wir wollen wieder die wenigen kühlen Stunden des Tages nutzen. Bald erreichen wir die Passhöhe auf 1780 m. Ein Schild sucht man vergebens. Endlich hab ich meinen ersten richtigen Pass mit dem Velo erklommen!

Schon am ersten Tag begegneten wir zahlreichen Melonenverkäufern am Strassenrand. Als wir dann Lust auf eine Wassermelone hatten, war es aber vorbei mit den Möglichkeiten. Diesen Fehler begehen wir heute nicht. Kurz vor neun machen wir eine Wassermelonen-Pause. Philipp wählt die Kleinste aus – die immer noch recht gross ist. Wir zahlen 4 Somoni, weniger als 50 Rappen. Wir wären auch noch zum Tee ins Haus eingeladen worden, aber wir wollen ja weiter. Also löffeln wir die Melone am Strassenrand, umringt von Kindern. Wir werden auch aufgefordert, Fotos mit den Jungs zu machen, die uns die Wassermelone verkauften. Weiter geht es auf meist guten Strassen runter in Richtung Rogun-Staudamm. Bald gibt es die erste Passkontrolle. Der Polizist hat Freude an unseren Pässen, da er offenbar im August in der Schweiz Ferien machen will. In Obigarm decken wir uns mit Wasser, Guetzli und Chips ein. Sogar den Abfall, den ich bisher in einer kleinen Tüte an meinem Gepäck befestigt hatte, kann ich entsorgen, als gerade ein Laster vorbeifährt und alle Abfalleimer leert. Wohin das wohl kommt? Es geht weiter runter zum Vaksh, ein gewaltiger Gebirgsstrom! Den Staudamm selbst sehen wir nicht. Aber einen Teil der gigantischen Baustelle(n), die für diesen riesigen Schüttdamm notwendig sind. 

Der Weg führt entlang des Tals, das geflutet wird. Da wird natürlich keine Strasse mehr repariert und so ist auch deren Zustand. Die Strasse besteht aus Überresten von kleinen Asphaltflecken zwischen einem holprigen Kies-Sand-Schutt-Belag. Das geht manchmal erstaunlich gut, bergauf wird es für mich zum Kampf. Bald neigt sich meine Energie zu Ende. Ich muss mein Velo schieben. Das ist mit vielem Gepäck alles andere als ein Vergnügen und geht nur bedingt leichter. Aber die Wahrscheinlichkeit ist wesentlich kleiner, auf die Schnauze zu fallen oder weil nicht rechtzeitig aus den Klipppedalen rauskommend wie ein Kartoffelsack zur Seite zu plumpsen. Auch für die Autos ist es wohl mühsam. Einzig die Motorräder düsen in vollem Garacho an uns vorbei. Erst werden wir von einer Gruppe überholt, die wir schon in Dushanbe im selben Hostel angetroffen hatten. Der Holländer prophezeite noch «you will see my dust» und so ist es dann auch. Allerdings ist in Motorradkluft bei 40° unterwegs zu sein wohl auch nicht das reine Vergnügen – das rede ich mir wenigstens in diesem Moment ein. Auch eine Gruppe mit Thurgauer Nummernschildern düsen an uns vorbei. Irgendwann hält ein Fahrzeug aus der Gegenrichtung kommend mit dem Symbol einer grossen Hilfsorganisation drauf mit vier Männern drin neben mir und erkundigt sich auf Englisch: «What’s the problem?» Am liebsten würde ich ihm anbieten, mit meinem Velo mal 50 m zu fahren und dann nochmals seine Frage zu überdenken. Ich lasse es aber bleiben, lächle freundlich und sage, dass es kein Problem gibt, ich nur etwas müde bin.

 

Als die schlimmste Stelle überwunden ist, kaufen wir uns im Dorf Aligalabon eine kühle Flasche Fanta – herrlich! Von dort gibt es nochmals einen kurzen Aufstieg, danach geht es sehr holprig runter nach Chorsada. Wir treffen auf zwei Polen, die schon einen Monat mit ihrem Mountainbike unterwegs sind (via Bartang) und nun auf dem Rückweg nach Duschanbe sind. Sie fuhren die Route anders rum als wir es planen zu tun. Beim nächsten Aufstieg überholen wir einen am Strassenrand stehenden Laster mit russischem Kennzeichen. Weiter vorne treffen wir auf zwei Männer mit einem Wasserkanister, die auf dem Weg zu einer Quelle sind. Der Motor empfand die Temperaturen wohl auch als zu heiss. Wir finden einen guten Biwak-Platz oberhalb der Strasse. Gekocht wird mit einer anderen Düse und nun klappt das auch. Das Essen ist zwar fein, aber ich habe nicht wirklich Appetit, schlafen – einfach nur schlafen, das ist mein Wunsch! Im Dunkeln hören wir noch, wie der russische Laster angekrochen kommt und weiter unten (zwangs)pausiert. 

Distanz: 65 km von Gulomdavlat nach Aini

rauf: 350 Höhenmeter

runter: 410 Höhenmeter

Temperatur: leider immer noch sehr heiss

Strasse: Belag wird schlechter

Highlights: Genuss einer erfrischenden Wassermelone, kurzer Schwatz mit dem Polizisten, Anblick des Flusses Vaksh!

Rogun Staudammprojekt (August 2014 vs Juli 2017)