Unerledigtes

Über so vieles wollte ich hier mal noch berichten. Beispielsweise die Auswahl der „verschiedenen“ Toastbrote beim Grossverteiler zählen, die ist nämlich gigantisch, unterscheidet sich aber meines Erachtens in erster Linie durch die Art der Verpackung – Brot in England ist wirklich nicht schmackhaft, dieses Vorurteil ist absolut wahr. Es gibt einiges, das sie backen können wie Kuchen oder Scones. Aus dem Satirebuch äh Kochbuch, das ich von meinen Berner InstitutskollegInnen vor meiner Abreise erhalten habe, habe ich – wie ich gestehen muss – nur das Scones-Rezept ausprobiert. Ich habe es mir zwar gleich während der ersten Wochen durchgeschaut und auch mit Post-it’s vermerkt, was ich alles ausprobieren möchte, die Umsetzung ist aber noch ausbaufähig... 

Eine Fotoserie verschiedener Produkte, die als schweizerisch angepriesen werden, das zusammenzustellen war auch mal noch mein Plan. Amüsant war auch die „Märkli-Aktion“, womit man sich dann vergünstigte Koffer und Rucksäcke mit einem fake-Victorinox/Wenger-Logo kaufen konnte. 

Oder vom etwas mühsamen Strom- und Gasabrechnungs-System des letzten Jahrhunderts erzählen, über welches manche Haushalte hier verfügen. Es handelt sich dabei aber nicht um etwas typisch englisches, auch mehrere meiner britischen Mitbewohner fanden das merkwürdig und es ist "cheibe" unpraktisch! Für den Landlord und den Anbieter ist es hingegen natürlich gäbig: wird nicht bezahlt, bleibt‘s kalt und dunkel. Dass man dafür regelmässig beim Supermarkt vorbei muss, um den Chip wieder aufzuladen und dabei auch den Restbetrag im Auge behalten muss, möchte man nicht eines Morgens plötzlich kalt duschen oder – noch schlimmer – kein Internet mehr haben, ist dann natürlich Sache der Bewohner. 

Das ist mein Fenster im geschlossenem Zustand. Oben ist das Abdichtungsklebeband (4mm dick) zu erkennen, das ich auf allen vier Seiten angebracht hatte - bei einem Spalt von 8mm nützt das halt nur beschränkt. Meine Vormieterin hat auf allen Seiten viel Küchenpapier reingestopft, was erstaunlich gut isolierte, jedoch aber zum Nachteil hatte, dass das Lüften etwas schwierig wird. 


Das nicht so wirklich schliessende Fenster ist eine Sache, die Art und Weise wie die Fenster hier meistens geöffnet werden können, eine andere - aus meiner Sicht, auch schampar umpraktisch, wenn das Fenster nur nach vorne gekippt werden kann. Das hat zwar den Vorteil, dass es bei "weit" geöffnetem Fenster nicht reinregnen kann, aber halt eben den Nachteil, dass man nie so richtig lüften kann. Dafür habe ich bei Wind einen stetigen leichten Luftzug. 


Fensterputzen war noch nie meine Leidenschaft und ist häufig eher ein Verzweiflungsakt, da ich diese beginne zu putzen, um mich vor einer anderen Arbeit zu drücken. Ich gestehe an dieser Stelle, mein Fenster hier kein einziges Mal geputzt zu haben und ich werde das auch nicht machen, wenn ich aus meinem Zimmer ausziehen werde. Dafür bräuchte ich nämlich eine Leiter, oder so einen ausziehbaren Schwammdingsbums - habe ich beides nicht, also bleibt das Fenster auch weiterhin ungeputzt, lässt sich dank des tollen Öffnungsmechanismus nämlich nur von Aussen machen.  



DIE Investition des Jahres - ein elektrischer Radiator! Unser Haus ist nämlich nur so mässig gut isoliert (scheint hier häufiger der Fall zu sein) und naja, auch wenn es nicht am Geld scheitert und wir Gas und Elektrisch beziehen dürfen, so ist es, wenn's draussen kalt ist, drinnen manchmal schon warm aber eben nur manchmal. Thermostat? Haben wir nicht. Gerade in vielen Häusern, die von Studenten bewohnt werden, wird nur morgens und abends je während ein bis zwei Stunden geheizt. Je nachdem, wann man zu Hause ist, ist das mehr oder weniger von Vorteil. Auch immer mit Vorsicht zu geniessen sind somit Angaben, dass alle Rechnungen in der Monatsmiete mit eingeschlossen sind. Ist Strom und Heizen dabei, aber das nur zwei Stunden am Tag, hat man auch wenig Freude daran. 


Ich bin aber wenigstens nicht mehr ganz so ein Weichei und schlafe nun ganz gut bei 17° Raumtemperatur und dank Daunendecke sind auch 15° ok. Als ich kürzlich mal bei einer Freundin übernachtet hatte, bin ich in der Nacht mehrfach erwacht und dachte mir jedesmal, dass es in diesem kleinen Raum viiiiel zu heiss ist und so bin ich letztlich aus meinem (Daunen)Schlafsack gekrochen und ohne diesen eingeschlafen...

Da sind wir schon beim Thema Kälte und Abgehärtet-Sein angelangt. Auch etwas, worüber man sich gerade zu dieser Jahreszeit hier im Nordosten Englands häufig wundern (und unter Ausländern laaange unterhalten) kann. Gerade die Wochenenden bieten viel Gesprächsstoff. Die jungen Eingeborenen tragen fast alle KEINE Jacke, keinen Mantel, die Männer oben nur ein T-Shirt - oder jetzt vielleicht ein Christmas-Jumper - und die Mädels im Mini mit Miniträgern und meist gigantischem Ausschnitt. Das hört dann auch nicht mit 20 auf, hier scheint Frau selbstbewusst zu sein und kann auch mit 50 noch rumlaufen, wie andernorts Mädels mit 20. 


Mir wurde gesagt, dass wer einen Mantel trägt, vergeben ist, wer keinen trägt, ist single. Wer dazu Feldforschung betreiben möchte, dem empfehle ich Freitag- und Samstagabende in Durham und Newcastle zu verbringen. Da liessen sich in sehr kurzer Zeit 200 Leute verschiedenen Geschlechts und Alters dazu interviewen. 


Da rechts müsste jetzt Symbolbild stehen - ich war nämlich immer zu anständig, das mal photographisch festzuhalten und ich möchte auch anmerken, dass dieser Minijupe nicht der Kürzeste ist, was man hier zu sehen bekommt. Ahh und selbstverständlich ist diese Kombination von Minijupe/Minikleid ohne Mantel mit Stilettos nur in Kombination mit "ohne Strümpfe" anzutreffen, auch jetzt. 


So, das waren jetzt auf die Schnelle noch einige Highlights, die einem als Ausländer so auffallen. Auf dem ersten Platz rangiert da aber glaube ich schon das!