to amble

Um in mein Zimmer zu gelangen, muss ich Treppensteigen. Bei jedem Schritt werde ich heute an meinen gestrigen Ausflug erinnert - ich war mit der „Durham University Hill Walking Society“ unterwegs. Die Betonung bei dieser Society liegt auf Hill. Viele Schweizer haben wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln übrig, wenn sie Engländer von ihren Bergen sprechen hören. Der höchste Punkt in England ist ja nicht mal 1000 m hoch gelegen und befindet sich im Lake District, wo ich meinen gestrigen Tag verbracht hatte. Wir sind auch nicht auf den Scafell Pike gestiegen, sondern haben mehrere kleinere Hügel erklommen – in der Summe kommt man da aber auch auf einige Höhenmeter.

 

Die Mehrheit der Teilnehmer war besser ausgerüstet als ich – mit Gamaschen, Stöcken und wasserfesten Kartentaschen. Es gibt auch ein Regenschutz-Obligatorium. Ich meine damit nicht eine Jacke, die einiges an Regen aushält, sondern auch Regenhosen! Das Wandern mit Regenhosen im Rucksack war ein Novum für mich. Die Tatsache, dass ich meine Gore-Tex Regenhosen nicht gebraucht hatte, war auch der Grund, weshalb ich von mehreren Seiten gehört habe, dass das ein super Wandertag und der Beste für viele war, die schon mehrere solche Touren gemacht hatten. Und ja, es war auch nett, und ja, ich bin auch froh, mich dafür angemeldet zu haben und werde sicher wieder mitgehen. Ich glaube aber nicht, dass ich in der Schweiz einen Tag im Mai, mit frischen Temperaturen, bedecktem Himmel, keinem Sonnenstrahl dafür relativ windstill, als super Wandertag bezeichnen würde.

 

Aber das Wetter war nicht das eigentlich Aussergewöhnliche für mich, sondern die Art zu wandern. Während der Busfahrt erinnerte ich mich an einen Abschnitt aus Bryson‘s Büchlein über England: „For years, I watched these walker types toiling off up cloud-hidden hills in wet and savage weather and presumed they were genuinely insane.“ Die Erzählung geht dann weiter, dass ein Freund ihn auf eine solche Wanderung mitnimmt und diese als „amble“ bezeichnet - „to amble“ bedeutet so viel wie „schlendern, gemütlich gehen“. „Well, of course it was anything but an amble. We clambered for hours up vast, perpendicular slopes, over clattering scree and lumpy tussocks, round towering citadels of rock, and emerged at length into a cold, bleak, lofty nether world so remote and forbidding that even the sheep were startled to see us. Beyond it lay even greater and remoter summits that had been quite invisible from the ribbon of black highway thousands of feet below.” Oben angekommen war Bryson aber so begeistert, dass er bei zukünftigen Gelegenheiten sich wieder einem solchen Erlebnis aussetzte. So traumatisch empfand ich das ganze natürlich nicht – auch wenn meine Oberschenkel vielleicht anderer Meinung sind – aber es war definitiv alles andere als „to amble“. Beim Wandern bin ich mit einer anderen Geschwindigkeit unterwegs, als wenn ich zügig durch die Stadt laufe. Wandern ist für mich ein in einer Gruppe von netten Leuten gemütliches Spazieren durch eine hübsche Landschaft, dabei die Aussicht zu geniessen, Blümchen anzuschauen und sich gut zu unterhalten und weniger ein Auf-die-Plätze-fertig-los-wir-wollen-heute-so-viele-Hügel-wie-irgendwie-möglich-erklimmen. Vielleicht waren ja auch nur die beiden Engländerinnen in meiner Gruppe so und ich habe nun ein völlig verzerrtes Bild. Ich muss es definitiv nochmals ausprobieren, aber erst muss der Muskelkater in meinen Oberschenkeln verschwinden!

 

Einige Fotos sind hier zu finden.