Keep calm and carry on

Heute haben wir einen Ausflug nach Northumberland gemacht und eine kleine Stadt eine halbe Stunde nördlich von Newcastle besucht. Als wir ankamen, kam uns ein festlich gekleidetes Paar entgegen. Ich war völlig geblendet von ihrer Erscheinung: von Kopf (Hut) bis Fuss in pink. Sie hatte zwar die Figur für ein solches Kleid, nicht mehr aber so ganz das Alter.

 

Alnwick (l und w werden nicht ausgesprochen) ist berühmt für sein Schloss und das dort residierende Adelsgeschlecht, einst die mächtigste Familie Nordenglands. Nach dem Windsor Castle zählt dieses Schloss zum zweitgrössten Adelssitz Englands. Der Erhaltungszustand ist top und wohl neben der Ausmasse einer der Gründe weshalb dieses Schloss die Filmkulisse mehrerer Filme darstellte – u.a. für Robin Hood und Harry Potter Verfilmungen. Von April bis Oktober ist das Schloss für Besucher geöffnet, im Winter wohnt die Familie dort. Dieses Adelsgeschlecht hatte während 700 Jahren Zeit, Objekte in diesem Schloss zu sammeln und das haben sie auch fleissig gemacht. Es hat von allem viel: Gemälde, Teppiche, Skulpturen und sonstige Kunstwerke in Hülle und Fülle. Zum stolzen Preis von 14,50£ (12£ erm.) kann die profane Bevölkerung vor allem die repräsentativen Räumlichkeiten anschauen. Die Familie ist offenbar sehr bemüht, das nicht museal wirken zu lassen, sondern als ob da wirklich gelebt wird - was ich mir zugegebenermassen beim besten Willen nicht vorstellen kann. Gut sichtbar sind Fotos der Familie in allen Räumen aufgestellt: Jüngling beim Fischen, die Eltern mit ihren vier Sprösslingen hübsch angezogen bei einem Dinner, das Töchterlein beim Reparieren eines Oldtimers usw. Einzig der völlig deplatziert wirkende Tschüttelikasten in der Bibliothek und der grosse Flachbildschirm machen dies glaubhaft.

 

Als wir dort waren, fand auch eine Hochzeit statt (für 4000£ gibt es ein Wedding Package). Das Brautpaar haben wir zwar verpasst, dafür aber einige Gäste gesehen. Eine Dame wird uns immer in Erinnerung bleiben: neon-pinke 10cm hohe Stilettos mit einem Kleid, das ihre Beine nicht gerade vorteilhaft zur Geltung brachten und das nur ein Foto beschreiben würde. Die arme war es sich einerseits offensichtlich nicht gewohnt, sich in solchen Schuhen fortzubewegen, andererseits wurden die Beine so eingeschnürt, dass sie nur in Mini-Schritten überhaupt laufen konnte.

 

Aus meiner Sicht ist – neben der Kleidung junger und jungebliebener Frauen – das eigentliche Highlight dieses Ortes ein Antiquariat, eines der grössten in England. Vor über 20 Jahren wurde dieses mit viel Liebe zum Detail von einem Ehepaar in einem einstigen viktorianischen Bahnhof eröffnet. Berühmt ist Barter Books aber auch, weil dort 2000 ein Poster wiederentdeckt wurde, das 1939 von der britischen Regierung produziert, aber nie veröffentlich wurde. Das Poster sollte im Falle eines schweren Militärschlages die Moral der Bevölkerung stärken und war das letzte einer dreiteiligen Serie. Dieses Motiv ist inzwischen sehr beliebt und auf Tassen, Mausmatten und Shirts zu finden – auch in diversen Abwandlungen.

 

Weitere Fotos gibt es hier.